DIE GROSSE AUFTAKT - GALA

Eine Unterhaltung a la Carte

Maurenbrecher: Kurhotel

Kommen Sie doch rein, bitte, hier entlang, Sie werden erwartet, sehn Sie, hinten im großen Saal... Ihr Tisch ist reserviert, selbstverständlich...

Na, die Festbeleuchtung hätten sie vielleicht etwas runterschrauben sollen, dann sähe man die vielen Lücken im Saal nicht... Ist mir fast peinlich, hier durchzulaufen, mit meinem Mikrophon und den Kameras - alle gucken... Gut, so viele sind es nicht, zwei Damen an Tisch eins, große Lücke, ein Fünfer - Kränzchen direkt vor der Bühne, noch größere Lücke, dieser einsame kerzengerade Herr in der Nähe des Bufetts und das junge Pärchen hinten an der Wand. Den einen oder anderen mag ich übersehen haben, aber - eine Festgesellschaft ist das eigentlich nicht. 'Große Auftakt-Gala' steht vor den Türen des Etablissements, 'tanzen und schwelgen Sie bis morgen früh' - und kleiner darunter: 'Tombola und Verkehrzwang'...

Berühmt war das hier, hoch hergegangen ist es, Reisebusse aus allen Rentnerparadiesen des Landes, die galantesten Heiratsschwindler, charmanteste Bedienung und köstliche Endrunden morgens... Na, in der Nase puhlen ist eigentlich nicht Stil des Hauses, Herr Bufettkellner - schauen Sie sich das an. Richtig, Sie sehn das ja nicht, und deshalb soll ich Ihnen von dem Ereignis heut auch berichten... Aber wenn das so weitergeht... "Entschuldigen Sie, Herr Kellner, wo steht der Lachs?" - Der beachtet mich gar nicht, und die Bühne ist auch noch leer. Die paar Leutchen im Saal scheints andauernd zu jucken, immerfort drehn die sich um... "Verlade", poltert gerade einer am Fünfertisch - "Ich verstehs auch nicht", gibt sein Gegenüber zurück, offensichtlich schuld an diesem Ausflug - und alle fünf hüllen sich beleidigt in ihre Mäntel. Ja, es zieht hier im Saal...
Nicht zu fassen! War das eben ne Maus, oder seh ich Gespenster - lief direkt vor zur Bühne. Mein Gott, wer da schon alles aufgetreten ist, hätt ich meine Reportage bloß früher gemacht, in den goldenen Zeiten, wo Kerzen schimmerten, Champagner perlte, und diesem steifen Herrn da am Bufett dezent eine Träne ins Knopfloch trat. Der war jedesmal hier, der ist treu, und jetzt geht ihm wahrscheinlich die gleiche Musik im Kopf rum wie mir - mmh mmh - Nur das junge Pärchen knutscht, na, die habens noch vor sich...

Elton John: Sorry seems to be the hardest word

Kommen Sie, wir treten mal rüber zu den zwei alten Damen an Tisch eins, die haben gerade was zu essen bekommen, sehr vergnügt sehn sie nicht aus damit...

- "Ihrs ist wieder mal größer."
- "Aber meine Liebe, Sie essen doch Medaillons, die dürfen doch gar nicht so groß sein wie mein Steak."
- "Wieso nicht? Und hab ich denn überhaupt Medaillons bestellt?"
- "Aber Sie bestellen doch immer am Abend die Medaillons... Wie sind sie denn diesmal?"
- "Nicht ganz so hart wie das Bett."
- "Ach, und Ihr Bett ist auch nicht in Ordnung? Kommen wiedermal Sprungfedern raus?"
"Ihres, meine Liebe, ist natürlich ganz herrlich, wie immer, ich weiß..."
- "Beschweren kann ich mich nicht."
- "Na, das wär auch das erste Mal, wenn Sie sich beschwerten, eine Premiere..."
- "Wissen Sie noch, die Premiere in Goslar im Harz, dieser bezaubernde Bauchredner, den wir da..."
- "Goslar? Wo mich das Stubenmädchen behumpst hat? Na, danke!"
- "Aber die hat sich doch so entschuldigt danach, das war doch überhaupt nur ein Versehen..."
- "Versehen!? So wie heut abend, was? 'Große Auftaktgala', daß ich nicht lache... Kümmerlich, eine Unverschämtheit. Wenn man auf Sie schon mal hört, meine Liebe..."
- "Auf mich? Sie wollten doch diese Fahrt mitmachen..."
- "Ich wollte nur um keinen Preis noch einmal nach Goslar, das hab ich gesagt "
- "Und der Preis, war das nicht enorm günstig?"
- "Tja, wenn man allerdings sieht, was jetzt geboten wird..."
- "Ach, liebe Frau Metternich, warten Sie's erst einmal ab. Der Herr dort hinten am Bufett, sehn Sie, jetzt nickt er hier rüber: 'Guten Appetit...' "
- "Ein Hungerleider, Frau Arendt. Wir beide fahren jetzt zweiundzwanzig Jahre zusammen weg "
- "Zweiundzwanzig schöne Jahre, wer hätte geglaubt, daß es solange gehn würde..."
- "Und immer noch stört mich Ihre, ich muß es leider einmal sagen, harmoniesüchtige Art, dieses Nicken und Tutteln und... Wie bei meinem Verflossenen..."
- "Jetzt essen Sie erst mal die leckeren Medaillons, die werden ja kalt..."
- "Und hören Sie auf, mich hier zu bemuttern. Das sind keine Medaillons, ich bezweifle das - das ist ein zu klein geratenes Steak, und der Kellner, der hat mich ganz höhnisch angesehn, als er's brachte..."

Ich glaube, wie stehn zu lange am Tisch hier, das ist ja unhöflich. Außerdem: auf der Bühne tut sich was. Tja, soll das nun der Unterhaltungskünstler für heute sein, ein etwas unbeholfener älterer Herr... und hinter ihm, diese schrägen Gestalten... Was ist bloß in diese Geschäftsleitung gefahren, machen die Experimente mit uns?
Der eine und andere klatscht... mal sehn, was kommt...

Ernst Jandl: Sentimental Journey

Lassahn - Reiff: Ohnmacht und Größenwahn

Na, was ist das denn - jetzt laufen die weg? Das hatte doch ganz hübsch angefangen in den letzten drei Minuten, ein paar mehr Gäste sind gekommen, drückten sich erst an der Tür rum, sahen dann die Leutchen vom Fünfertisch, die sich schon mal unterfaßten und etwas probeschunkelten, trauten sich mehr in die Mitte des Saales, die Bedienerin flitzte kurz hektisch umher, eine Lichtorgel sprang an (und gleich wieder aus) - gut, es wird sich um die Vorgruppe gehandelt haben, "Versteh kein Wort", hatte die eine Alte geschnappt, und: "Ach, Frau Metternich", die andere begütigt, der Herr vom Bufett war indessen zu ihnen vorgetappt, "Gestatten, von Sassen", hatte er knapp genickt, und während die eine Alte gleich nach ihrer Handtasche griff, hatte die andere ihm schüchtern Platz geboten... Kein Beifall, okay, aber auch das junge Pärchen hinten an der Wand hat mitgewippt, ein Herz, eine Seele, und sogar dieser schlürfende Kellner, der jetzt tieftraurig an den Tresen gelehnt dasteht und schon wieder in der Nase bohrt, der hat einen Moment gelächelt...
Alles kein Grund, euch zu verkriechen, Jungs - oder sitzt euch eure Gewerkschaft im Nacken? Hier soll doch gefeiert werden heut abend, gefeiert - jetzt sind natürlich wieder alle in sich versunken. Die am Fünfertisch blättern in einer Straßenkarte - ein Schweigen ist das hier drin...

"Im Juli gibt es heiße Nächte, da fängt man in der Neisse Hechte", ruft jemand sehr laut und verächtlich. Vereinzeltes Lachen.

Aber da: die kleine Kellnerin, normalerweise mit ihrem Walkman an der Tür sitzend, springt plötzlich auf, reißt sich die Knöpfe aus den Ohren, rast zum Tresen, drüber weg, reißt die Kassette aus ihrem Gerät, wirft sie in die Hausanlage, strafft sich, holt Luft, und... Sie sollten mal die Männer am Fünfertisch sehen, wie schnell die ihre Straßenkarte verschwinden lassen...

Guesch Patti: Let Be Must The Queen

Bravo! Das war toll, Sie hätten sie tanzen sehen sollen dazu... Also, wenn die Geschäftsleitung sich das als Irritation und allmähliche Steigerung ausgedacht hat, alle Achtung, dann krieg ich hier doch noch ne Bombenreportage... Die Leute sprangen jedenfalls von den Stühlen, das Licht ging aus, zusammen mit der Musik, und die Sängerin...

Ehrlich gesagt, es ist immer noch aus, das Licht - also langsam müßte jetzt was - die Menschen sind doch heutzutage verwöhnt - nee nee, das ist so nicht eingeplant, es läuft ja nichts mehr, keine Kaffeemaschine, kein Licht... Da, unsre Sängerin kommt, humpelnd, irgendwas muß sie sich verknackst haben bei ihrem Sprung vom Tresen und - was hat sie da? Du meine Güte: Kerzen. Der Strom ist hin. Hören Sie's: "Zahlen", ruft laut jemand an dem Fünfertisch, und andere stehn einfach auf. Der einzige, den das alles nicht stört, ist dieser Herr von Sassen, der munter auf die zwei alten Damen einplaudert. Und der komische Rezitator von vorhin mit seiner Truppe steht plötzlich auf der Bühne, im Dunkeln, na wunderbar, und - was sagt er?
"Ist der Zirkus noch so klein, einer muß der Affe sein" - kein Beifall. Und jetzt: hören Sie's?

Ernst Jandl: Bettler

Da: "Aufhören" - na bitte. Tut mir leid, meine Damen und Herren, ich wollte Ihnen von einem rauschenden Fest berichten, nur leider... Das einzige, was jetzt rauscht, sind ein paar übergeworfene Mäntel von fliehenden Gästen, und eine überlaute Klospülung draußen im Gang... Und das Personal scheint sich gar nicht zu stören dran, der lahme Kellner ruft: "Lisa, die Leut woll'n zahlen" - und unsere Hobbysängerin, die grad noch Kerzen gebracht hat, jetzt streicht sie ihrem Kollegen ganz liebevoll und ganz langsam über den kahlen Schädel, macht ein paar Schritte bis zum Klavier an der Bühne... Na, da setzen sich doch wieder einige, man hat ja schließlich bezahlt...
Und das singt sie...

Marianne Faithful: I'm not Lisa

- "Und Sie waren bei der Marine, Herr von Sassen?"
- "Auf den sieben Weltmeeren, Gnädigste."
- "Dann kennt Ihr Fuß alle Erdteile?"
- "Das haben Sie bezaubernd gesagt."
- "Sumatra auch? Und Venezuela?"
- "Das auch. Und Turku."
- "Es muß wunderbar sein. Ich bin über Garmisch und Leer nicht hinausgekommen..."
- "Verehrteste, reisen Sie denn nicht gern? Oder fehlen die Mittel?"
- "Meine Begleiterin wagt sich nicht über die Landesgrenzen hinaus. Und allein..."
- "Aber einer Frau von Ihrer Statur - erlauben Sie, daß ich das sage - steht doch die Welt offen..."
- "Meinen Sie??"
- "Ich bin stocksauer - äh ganz sicher. Die Geldmittel sind es also nicht, die Sie abhalten... Ich selbst halt es keine zwei Monate zu Hause aus..."
- "Ach, Sie reisen noch immer?"
- "Mit dem größten Verbiegen, äh gnügen... Für immer!"
- "Dann..."
- "Es wäre mir Freude und Genugtuung. Denken Sie an die sieben Weltwunder..."
- "Ach, der Turm von Prisa, ach die hängenden Gärten von... Semirantes?"
- "Ganz nebenbei: das achte und schönste Weltwunder sitzt ja hier neben mir, verehrte gnädige Frau, ein wahrer Schatz, wie ich vermute..."
- "Jetzt seien Sie grade mal still, mein Lieber - was ist denn da hinten los?"

Haindling: Der König kommt

Eine gute Frage - wenn ich mich als Reporter hier wieder einschalten darf. Immer noch brennen die Kerzen, überlegen die Leute, ob sie nicht aufbrechen sollten - und auf einmal gehen Türen auf, Nachtwind fährt ein - Feuerschein, dunkle Gestalten mit Fackeln in den Händen.

Es ist schwer für mich, dies einigermaßen zusammenhängend zu berichten. Die Spannung ist wieder gestiegen, es gibt wohl keinen im Saal hier, der jetzt noch enttäuscht von dannen ziehen wollte - aber die Angst steigt mit. Immer mehr Gestalten drängen ein, hier ins Dunkle - läßt sich denn gar kein Verantwortlicher blicken? Wo hält sich eigentlich der Hausherr auf, sonst war er jedes Jahr mit von der Partie!? Ich meine, hier befinden sich Wertgegenstände, mein Mikro z.B. Eben erklimmt noch einmal der Rezitator die Bühne. "Jetzt wird es bald läuten", sagt er, "was bedeutet, daß jemand hereinwill. Ich weiß auch, wer. Ich weiß auch, warum." Das klingt nicht sehr tröstlich... Ich meine, warum kündigt er die neuen Gäste denn dann nicht an? Gibt es hier eigentlich so was wie Saalschutz??

Wenn man diese Eindringlinge wenigstens erkennen könnte, aber wir riechen hier alle bloß ihren Schweiß, hören den Singsang - was soll das, mitten in Europa, in einem normalen Hotel, auf einem Fest...
Erstaunlich, was mit den Gästen vorgeht: manche ganz ängstlich gekauert, andere schauen wieselflink hin und her, als könnten sie etwas aushandeln... Gespenstische Gestalten, dem einen legen sie eine Hand auf die Schulter, der anderen eine aufs Knie. Das junge Pärchen ist ganz gebannt - besonders das Mädchen...
Ich meine, brechen hier Urgewalten ein, handelt es sich um Asylanten, ist es ein Terrorkommando?? So viele Fackeln - ich meine, man hätte doch vorgewarnt werden müssen, so geht es doch nicht, sind wir überhaupt versichert, falls hier...

Aber da geht das Licht wieder an und: welch hübsche Überraschung! Eine muntere Gruppe adretter bäuerlicher Nachbarn begrüßt uns. Ja, setzt Euch doch. Nein, sie streben zur Bühne. "Ich habs doch geahnt, daß wir noch echte Einheimische treffen werden", jubelt einer vom Fünfertisch.
Gottseidank! Es darf getanzt werden...

Biermösl Blosn: Europalied

Elton John: Song for Guy

- Das dritte Mal ist das jetzt, daß Du tanzt mit dem. Und soviel älter der ist als wir. Nein, wieso stören? Ich staun nur, daß Du diese albernen Tänze überhaupt kennst. Kannst. Absolut nicht. Ich finde sogar, es sieht putzig aus - ja, putzig, du - zwischen diesen Rentner und Kurschatten. Du, und dann dieser Bauer. Ja, Bauer!
Was ist der, Fuhrunternehmer? Was gibts denn hier zu fahren für den? Abschleppdienst macht der hier, und nichts anderes, jeden Abend, bestimmt: jeden Abend.
Ach komm, sowas Blödes: 'Auftaktgala' - nur weil wir unbedingt dein Auto nehmen mußten, wo ja immer was faul ist dran, klar, daß wir liegenbleiben, ich sag noch...
Ey!?... Schon wieder?

- Na, wie war's? Oh, die Dame hat sich erhitzt. Wie die Bäckchen glühn. Was hat der?? - Süß.
Erzähl du mir nichts über Charme. Dem sein Charme steckt im Schritt, und dann ist alles so... charmant...
Wer ist geschmacklos? Ich sag doch gar nichts, ich will noch 'n Bier, und dann ab in die Falle. Ich bin nicht freiwillig hier! Ja, ein Wochenende auf dem Lande, aber doch nicht in so 'nem Hirschgehege; das ist ein Kurhotel, Liebste, das hat mit Land überhaupt nichts zu tun!
Fällt dir eigentlich auf, daß Du beinah die einzige akzeptable weibliche Gestalt bist in dieser Arena? Schau denen mal in die Mundwinkel, nicht immer nur auf die Oberarme.
Da kommt er... Na los, dampf schon ab.

Hör mal, Kleine, ich find es zum Schießen, wie der dich immer zurück an den Tisch bringt und mich nicht anschaut. Hat das Männlein Schiß? - Als wenn der so was kennt: Hemmungen, Sitten.
Versteh mal, ich finde ländliches Leben okay, ich steh auf Sitten, aber diese Mischung aus Oberförster und SS-Mann, die muß ich erstmal verkraften, hätt ich Dir kaum zugetraut...
Au, jetzt schaut der rüber. Au, der will mich fressen. Wie trägt ers, links oder rechts??
Bin ich nicht, nein. Ich schnapp nur genauso zu wie der, wenn ich will, ich kann genauso für Pornos und Pershings sein und Frauen für eine Art Entsaftungsgerät halten...
Ja, Entsaftung. Kleinster gemeinsamer Nenner, mal muß es ja raus. Los, folg Deiner jahrtausendealten Bestimmung. Geh!
Ich sags gern nochmal: Entsaftung!!

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Tschuldige. Tut mir echt leid, Du.
Bitte, ist schon klar. Willst Du aufs Zimmer?
Geh nur, ich bleib noch was. Bist nicht sauer, nicht wirklich, oder? Morgen lachen wie drüber. Und fing doch so toll an heute abend. Ich bleib noch was.
Ein Bier noch - wenns recht ist!

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Aus Berlin. Und Sie?
Also, ehrlich gesagt, ich kann diese Art Tänze gar nicht, aber... Also dann: 'Darf ich bitten'?
Nicht so schwer, wie's aussieht, eigentlich...
Und - Sie?
Und - Du?

BITTE WO
Wenn du noch Sehnsucht hättest
(bitte wann, bitte wo)
dich noch mit Küssen kettest
(amour - bel oiseau),
wenn du noch flügelrauschend
über den Anden schwebst
dich in zwei Meere tauschend
ahnungslos, wen du lebst,
wenn noch die Qualen sprechen,
Tränen durch bel oiseau
dich stürzen und zerbrechen -
bitte wann - bitte wo? -
(Gottfried Benn)

Procul Harum: Grand Hotel

Glauben Sies? Glaubens Sies nicht? Ich weiß, verehrte Hörerinnen und Hörer, diese Reportage war mehrmals am Absaufen - was für ein Abend auch in diesem ehemals berühmten Touristenzentrum -, aber jetzt - ich weiß nicht, wie ichs erklären soll: es ist Licht geworden, verstehen Sie, noch einmal haben die Türen sich geöffnet, und lang erwartete Gäste sind eingetreten, Prominente - dort hinten sehe ich Rita Süßmuth im Schlepptau von Rosa von Praunheim, na, was er wohl vorhat, der Gute -; aber das ist es nicht allein, es funkelt von allen Seiten, von den Ballustraden und Stukkaturen: hier ist die Welt eingedrungen - mein Gott, wir hatten wirklich Angst, diese Nacht wär das Ende, wir wären in einem siffigen Verlies gelandet, ganz allein - so ist es nicht:
hier sind Lou van Burg und Björn Engholm und Harald Schmidt, Nobby Blüm - hier sind Granaten, hier sind Garanten, und jetzt wird hier Laune gemacht, hier sind wir losgelassen und endlich nicht mehr angewiesen auf uns - auch der Wirt zeigt sich jetzt, ah, das Ganze hat seinen Sinn gehabt, Beifall, man springt von den Stühlen -
Und wer hat sich gefunden? Die gute alte Mutti den Herrn von Sassen, herzlichen Glückwunsch, - der Fünferclub glücklich untergehakt -, das junge Mädchen mit ihrem folkloristischen Hengst, aber was das Erstaunlichste ist: ihr Ex-Freund mit jener keifigen Alten, der Frau Metternich - so spielt das Leben -

"Und wißt ihr, was hier passiert ist? Na?! Millionen Zuschauer haben gelitten mit Euch, es war live, es war Fernsehen, es war Großer Preis, und Ihr habt bereits gewonnen. Tüchtig, Leute, daß ihr keinen vorzeitigen Abgang gemacht habt. Hier sind die goldenen Kameras, gleich kommen wir zu unserm Lieblingsspiel: wieviel kostet das alles, das Bufett, die Saalgarnitur, diese Sendung? Ihr werdet es raten, die Nation ist bei Euch. Doch vorher: Hey Kellner mit deiner popeligen Nase: vergiß Lisa... Hey, du Hasso von Sassen, Mitgiftjäger, vergiß deine Kapitänsmärchen... es war eine tolle Show, aber jetzt Schluß mit dem Plunder - Hier kommt noch einmal der Rezitator: 'Da Bett... Da Bett'... Aber wir machen weiter, geil, daß ihr wach wart, amüsiert Euch, wir haben uns amüsiert über Euch - wir kommen auf Euch zurück...

© Manfred Maurenbrecher 1991

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