Intro: TÜR & ANGEL

8.2.12
Mit den Möglichkeiten, die das weltweite Netz bietet, wird das Urheberrecht nicht mehr fertig. Mir scheint, dass die Gewichte in Deutschland besonders schief liegen. Eine Rechtsprechung, die sozusagen kollegial den Abzockern in den eigenen Reihen die Tür zum Durchmarsch aufhält, sorgt für Verunsicherung und Dummheit genauso wie ,Freiheits-Piraten', die das geistige Eigentum weghaben wollen, während ihr Bundestagsmandat ihnen den sonstigen Eigentumserwerb sichert.
Ich bin kein Narr und gebe mein Geld lieber für ausgedehnte Reisen aus als für Kretins, die das Netz nach Formfehlern durchforsten oder im Auftrag von Zeitungsverlagen nach 'unerlaubten Zitaten'. Wer sich diesem unappetitlichen Thema genauer zuwenden möchte, hier:
Abgemahnt und abgezockt

Meine Konsequenz:
Ab jetzt möge sich jeder, der an einer Sammlung von Presseartikeln über mich interessiert ist, direkt, am besten in Postform, an mich wenden.
Demnächst wird das Gleiche auch für die bisher frei ins Netz gestellte Sammlung von eigenen Lied - und Prosatexten gelten. Ich möchte, solange der Ton der Netzabzocker so selbstgefällig und von einer 1,8%-Partei, die quasi per Dauerauftrag mitregiert, abgesichert bleibt, verhindern, dass Aftergeister, die selbst nie etwas geschaffen haben, sondern sich allein zum Angstverbreiten und Sich-Bereichern auf dieser Welt aufhalten, mit meinen Worten und Melodien in freien Kontakt kommen. Wenn also hier bald die Abteilungen 'Spiele & Geschichten' und 'Songtexte' verschwunden sein werden, wende man sich bei Interesse in Postform an mich, um mit klarer persönlicher Vorstellung einen Zugang entweder zu erhalten oder auch nicht.

16.1.2010
Wenn ein Jahr mit einer Pause anfängt, ist das gut? So fängt es mit dieser Frage an. Richtig angefangen hat es vor 15 Tagen in Köpenick in einer stillen Nacht mit ein bisschen Feuerwerk, sozusagen zwischen zwei Jahresendzeitprogramm-Vorstellungen. Von denen es 42 gegeben haben wird. Jetzt, wo diese Auftrittskette an ihr Ende kommt (niemand wird sie sich umhängen, das Feststellhäkchen zuschnappen lassen und uns Auftretende dazu zwingen, ewig so weiterzuspielen um einen unbekannten Hals), sitze ich im Regionalzug von Hamburg nach Kiel wie vor sechs Wochen. Wo ich mir, ungefähr am gleichen Platz, ausgemalt habe, wie erschöpft ich sein werde. So schlimm ist es gar nicht. Damals lagen seit Sommer 50 Auftritte hinter mir, jetzt sind es 40 mehr. Als erster danach kam in Flensburg eine beschwingte Nacht der Lieder mit Katharina Franck und Heinz Rudolf Kunze, davor ein Tag Probe in Quern bei Richard Wester, der das Unternehmen organisiert und zu dem ich damals fuhr. Dann das Jahresendzeitprogramm mit der so feinen, harmonischen Art diesmal zwischen uns. Die mit der Probenzeit begann und sich seitdem, trotz aller Doppelvorstellungen und Garderobenenge, nicht mehr verloren hat. Über 8.000 Leute haben uns in Berlin gesehn, Grund zur Freude. Das könnte natürlich trotzdem auch alles ganz müde machen. Aber so sind wir nicht. Bei mir kommt dazu: Die Pause hält mich frisch. Natürlich geben auch die schönen Kritiken für die neue CD was dazu, Platz 1 der Liederbestenliste, Lob im Rolling Stone, Echos wie selten vorher, die erste Auflage schon verkauft - klar, freut mich das. Lob und Ignoranz von genau den richtigen Leuten. Kein Grund, beleidigt zu sein. Kein wirklicher Grund, ich bin ja ganz gern mal beleidigt. Dann die tolle CD von George, die er eigentlich nennen wollte ‚George Nussbaumer. Deutsch‘, weil er zum ersten Mal deutsche Lieder gesungen hat, alle von mir und Andreas Albrecht, der das Werk produziert hat, und ohne dessen Initiative und Einfühlsamkeit vielleicht (mal wieder) gar nichts passiert wäre, und unter besonderem Ideenfluss von Marco Ponce Kärgel, dessen Gitarre den Gesamtklang prägt, den umgebenden Raum für Georges’ Gesang, der aus diesen zum Teil uralten Stücken brandneue Abenteuer gemacht hat. Bildscharfe Ungeheuer. Ich war begeistert als Zaungast und überwältigt, als es fertig war.
Bordesholm vorbei. Als ich vor 6 Wochen hier entlang fuhr, blieb die Lok liegen, 20 km vor Kiel, mit Maschinenschaden. „Wir danken für Ihr Verständnis.“ Jemand rief in dem vollen Zug: „Wird wirklich Zeit, dass die Bahn endlich privatisiert wird!“ So hätte ich sechs Jahre früher auch getönt, vielleicht nicht so laut. Jetzt sagte ich (und es klang weniger knallig, als es sein sollte): „Endlich? Weil sie privatisiert werden soll, wird die Wartung vernachlässigt.“ Der Schaffner nickte mir zu: „Hier wird jetzt Geld verdient“, grinste er sybillinisch. Ich antwortete: „Ja, bis keiner mehr mitfährt, weil alles verrottet ist.“ „Dann sind aber die, die das Sagen haben, hier längst wieder weg.“ Wie Recht er hatte! Nicht nur gegenüber mafiösen Bahnvorständen, auch gegenüber der traurigen Truppe, die mit 15% die Sozialstaatsreste hier kaputtklumpen möchte seit Oktober, jetzt bei knapp 8% liegt, eine männerbündlerische Eiskalt-Bubies-Gang und eigentlich, wie sich immer mehr zeigt, Vollpfosten an Nichtskönnerei mit dem Vorbild der Bush-Sohn-Administration im Blut: ‚Lass uns den Staat jetzt erbeuten, in fünf Jahren ist er abgefressen und wir wieder weg, lasst uns jetzt jeden bedienen, der uns was reinschiebt, wir werden steinreich sein, vorn oder hinten, lasst uns das Ding drehn.‘ Keine Panik, wir überstehn die auch.
So gern ich manchmal beleidigt bin, so gern reg ich mich auf. Manchmal gingen Freundschaften dabei zubruch, die engsten waren es nicht. Manchmal kamen übrigens auch welche dadurch zustande.

Diese Seiten hier werden bleiben, wie sie waren, nur die Inhalte wandeln sich langsam, Worte, Bilder und Querverweise. Drinnen wie draußen. Drum herum kann man neuerdings alles mögliche auch auf die Schnelle entziffern, einsammeln, wieder vergessen oder behalten - bei facebook, myspace, querblock - Kiel Hauptbahnhof. Horst Evers mir gegenüber klappt seinen Laptop zu, jetzt durch die kalte Halle zum Taxenstand, ins Hotel, bisschen ausruhn, dann in die Hansastraße. Der familiärste Auftritt der kleinen Tournee, zumindest für Hannes, dessen Verwandtschaft immer schon das halbe Theater füllt. Mal sehn, wie‘s wird heute abend...
Hab ich damals nicht gedacht und weiß ich jetzt längst, denn längst ist die Zugfahrt vorüber, die Jahresendzeittournee auch, die große Pause hat eigentlich schon begonnen, nur dieser Text hier war noch zu schreiben - was sich eben erledigt hat - na dann:
rein oder raus - es zieht ...

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